Das Alpenchlorhuhn

Wer hätte gedacht, dass der Carabao wieder mal zurück in die Alpen fliegt und sich mit Alpenhühnern beschäftigt. Oder besser gesagt Alpengockel.

​Davos 2026 steht vor der Türe, und man kann es förmlich riechen: Es ist diese feine Note von Chlor, gepaart mit dem metallischen Duft von Schweizer Gold, die diese Woche durch das Land wehen. Ein Bouquet der Unterwerfung, das man uns als „Weltwirtschaftsgipfel“ verkauft, während es eigentlich nur das rituell zelebrierte Verbiegen des Rückgrats ist. Wer braucht schon Sauerstoff auf 1500 Metern, wenn man die Luft eines Despoten atmen darf?

​Donald Trump möchte Grönland kaufen. Eine Insel als Immobilien-Deal. Und Europa? Der „Mutterkontinent der Aufklärung“ verhält sich wie eine verängstigte Erbin, die im Steigenberger Grand Hotel um ihr Taschengeld feilscht. Wir verhandeln in den Luxussuiten über Zölle, als ginge es um den Preis von Altkupfer, dabei geht es schlicht um das Ende jeder Selbstachtung.

​Ja, ich fand es einen grossen Fehler, mit Trampelchen überhaupt zu verhandeln.

​Schauen wir nach China oder Brasilien. Dort zieht man nicht den Schwanz ein. Dort weiss man: Wenn wir nicht liefern, friert Amerika. So einfach ist das. Trump musste in beidden Fällen seine hochtrabenden Zölle begraben. Würde die EU morgen den Markt schliessen, müsste Trump das Eis von Grönland kniend abschlecken, nur um die Erlaubnis für den Import eines einzigen deutschen Kugellagers zu erbitten. Er wäre ein Bettler am Tor des Weltmarkts.

​Nicht nur die EU, sondern sogar die unbedeutende Schweiz könnten Trump in gleicher Weise ohrfeigen: Ohne Maxon Motor AG in Sachseln oder LEMO in Ecublens wären Trumps F-35 Jets tonnenschwere Briefbeschwerer. Medikamente wie Herceptin oder Avastin braucht sogar ein Herr Kennedy. Ohne diese Mittel hätte Trump innert Tagen einen Aufstand, bei dem ihm die ganze Nationalgarde nichts nützen würde, weil die nämlich selbst mitmachen würden.

​Aber nein, statt Muskeln zu zeigen, spitzt die Schweiz die Lippen und küsst Trumps Arsch. Wie beispielsweise unsere „Wirtschaftskapitäne“ unter Federführung von Alfred Gantner. Ein Trupp eifriger Dienstleister, die mit gravierten Goldbarren und Rolex-Uhren im Gepäck in die Graubündner Berge pilgern, um dem Herrn des Zollstempels den Hof zu machen. Man nennt das „Türen öffnen“, aber es ist nichts anderes als das Polieren der Stiefel, die uns gerade in den Hintern treten. Wir bezahlen den Erpresser mit Gold, damit er uns beim Ausrauben wenigstens freundlich zunickt, während der Schweizer Schnee unter seinem Ego schmilzt.

​Und dann erst im Inland: Da haben wir die Blocher-Jünger, die das Wort „Souveränität“ wie eine Monstranz vor sich hertragen, während sie gleichzeitig jedem Tyrannen den roten Teppich ausrollen, solange er nur fest genug gegen Brüssel wettert. Sie hassen die europäische Nachbarschaftshilfe mit religiösem Eifer, aber vor dem Mann, der unsere Wirtschaft als Geisel nimmt, machen sie den Diener.

​Vergessen wir auch nicht unsere Amerika-Hasser. Jahrelang war der „Yankee“ das personifizierte Böse. Doch jetzt, wo Putin die Ukraine zu Staub und Asche schiesst, kriechen sie aus den Löchern hervor und verlangen die Kapitulation der Ukraine. Wenn Trump mit Putin und Xi Jinping paktiert, um Europa zu destabilisieren, jubeln sie alle.

​Was wir tun, weltweit, ob in Brüssel oder in Bern, ist das Stockholm-Syndrom als Staatsmaxime. Staaten, die sich für frei halten, während sie die Fesseln vergoldet haben. Davos 2026 ist nicht der Ort des Dialogs, es ist der Ort der Kapitulation. Wir sind nicht neutral. Wir sind nur käuflich.

​„Wer dem Erpresser eine goldene Münze prägt, damit er beim Plündern der eigenen Werte wenigstens gut aussieht, hat den Unterschied zwischen Diplomatie und Prostitution vergessen – aber immerhin ist der Champagner in Davos gut gekühlt.“

In den USA darf keine Münze mit dem Konterfei einer lebenden Person geprägt werden. Aber die Regierung überlegt sicch gerade, wie sie das tun könnte. Ums Himmelswillen, sagt das dem Gantner nicht, sonst haben wir für Jahre keine Fünfliber, weil unsere “Münzi” ausgebucht wäre, den Trumptaler zu prägen.

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