Jahresrückundvorallemausblick

​Während wir vor lauter Perfektion erstarren, tanzt man auf den Philippinen im Chaos. Nein, es ist hier keineswegs besser, aber in verschiedener Hinsicht effizienter. Hier gilt gelebtes Pareto-Prinzip. Nach einem Überblick über das helvetische und philippinische Wursteln des vergangenen Jahres, möchte ich anhand der drei dringensten Probleme der Schweiz eine Idee für 2026 lancieren. Die wyssion 2026.

Ich sitze hier in den Tropen, liege als stoischer Carabao im Schlamm und schaue Richtung Norden. Ich sehe ein helvetisches Uhrwerk, das zwar präzise tickt, aber bei dem die Zeiger vor lauter Angst vor dem nächsten Kratzer fast stillstehen.

​ In der Schweiz haben wir ein Luxusproblem: Uns geht es so gut, dass wir unsere Probleme selbst züchten müssen! Wir füttern ein ganzes Gehege davon: Die AHV-Finanzen und das EU-Rahmenabkommen zanken sich mit den Krankenkassenprämien, während die Zuwanderung und der Fachkräftemangel versuchen, über den Zaun der Zinsen zu klettern. Ein Wolfsrudel reisst die Klimaziele, was eine Stromlücke in das Armee-Budget reisst, mitten in der Neutralitäts-Debatte. In der Polarität der Wohnungsnot wird der Schienenausbau vom Poststellen-Sterben überholt, während die Banken-Regulierung die Landwirtschafts-Subventionen finanziert. Alles wird vom Digitalisierungsschub und der Cybersicherheit überwacht, damit der Lehrermangel in den Kita-Plätzen nicht auffällt. Der Kaufkraftschwund führt zum Medikamenten-Engpass und einer Notvorrat-Psychose, bis schliesslich die alles entscheidende Frage das Uhrwerk definitiv blockiert: Ist das Fondue-Caquelon eigentlich spülmaschinenfest?

​Wir kaufen F-35-Jets, die wir eigentlich nur gekauft haben, damit die USA uns beim nächsten Weltuntergang nicht die Cloud-Speicher sperren. Da wir sie kaum fliegen können, ohne dass in Davos eine Lawine runterkommt, nutzen wir sie als nationale Glasfaser-Ersatz-Relais. Wir parken die Jets auf den Gipfeln und lassen sie das Signal direkt in die Täler strahlen. Die Abwärme der Triebwerke leiten wir in unterirdische Thermalbäder direkt unter den SBB-Bahnhöfen. Jeder Schweizer kriegt ein Gratis-Abo fürs „SBB-Wellness“. Wer im Zug sitzt und auf den Anschluss wartet, steigt einfach eine Etage tiefer in den Whirlpool. Das senkt den Blutdruck der Nation so massiv, dass die Gesundheitskosten ins Bodenlose stürzen! Falls doch ein Riss im Gebälk auftaucht, giessen wir flüssigen Käse drüber. Das isoliert, klebt und riecht nach Heimat. Das ist das Schweizer Wursteln: Hochglanz-Verzweiflung in der Komfortzone.

​Hier auf den Philippinen sieht das Wursteln anders aus. Wir haben ebenfalls selbstgemachte Probleme, aber wir haben sie zu einer Art Abenteuerspielplatz verbaut: Die Kleptokratie verwaltet die nie gebauten Flutschutzprojekte und Geister-Dämme, damit wir im Stau in Manila bei einem gepflegten Stromausfall über die neuesten Pork-Barrel-Skandale und illegale Fischerei nachdenken können. Den Bildungsnotstand flicken wir mit Taifun-Schäden und der Korruption im Bauamt, während die mangelnde Abwasserreinigung im Internet-Schneckentempo vor sich hin gärt. Das Jeepney-Modernisierungs-Chaos tanzt den Verfassungs-Wirrwarr (Cha-Cha), befeuert durch die Preisexplosion bei roten Zwiebeln auf den Müllbergen. Der Landraub durch illegale Glücksspiel-Zentren (POGO) lindert den Wassermangel auch nicht, und das Dengue-Fieber wird nur noch durch die mangelnde Strassenbeleuchtung und den bürokratischen Passierschein-Wahnsinn übertroffen. Während wir durch die Küstenschutz-Lücken in die ländliche Isolation starren, bleibt nur eine Frage: Warum spielt das Karaoke-Gerät des Nachbarn nachts um drei immer noch „My Way“? Wir hatten sogar eine Bürgermeisterin, die sich als Filipina ausgab, aber eine chinesische Spionin war. Wahrscheinlich war sie die Einzige, die den Passierschein-Wahnsinn verstand.

​Wir bauen keine Deiche aus Beton, sondern aus Karaoke! An jedem Flusslauf steht eine Maschine; steigt das Wasser, müssen die Politiker singen. Die Schallwellen der falschen Töne drücken die Flut physikalisch zurück – akustischer Hochwasserschutz! Den Stau in Manila lösen wir, indem wir die Strommasten, die eh im Weg stehen, mit Seilen verbinden. Der Pendler klinkt sich ein und saust per Zipline zur Arbeit. Die Sicherheit im Meer? Wir schicken Jeepney-Fahrer zu den Spratly-Inseln, die den chinesischen Schiffen so frech den Weg abschneiden und „Fare, Boss!“ rufen, bis die Admirale deprimiert abdrehen. Das ist das philippinische Wursteln: Wir machen aus dem Untergang ein Volksfest. Eine Fiesta.

​So wurstelt jede Nation für sich. Beide stehen still . Aber “Stillstehen” ist Gift für das, was in der Welt gerade passiert. Was könnten wir ändern? Was, wenn die Schweiz plötzlich etwas philippinische DNA hätte und umgekehrt? Schauen wir uns das mal für die Schweiz und ihre drei Topprobleme an.

Eine #wyssion für 2026ff.

​1 Krankenkassenprämien: Vom Gesundheits-David zum First Help Goliath

​Wir leisten uns ein Gesundheitssystem, das so perfekt reguliert und administriert ist, dass wir bald nur noch die Administration bezahlen können. In der Schweiz wird eine kleine Schnittwunde mindestens von einem Kardiologen behandelt – zur Sicherheit, versteht sich, denn es könnte ja sein, dass der Patient gleich einen Herzinfarkt kriegt beim Anblick der Stricknadel, die da durch seinen Finger sticht. Wir rennen für jeden eingewachsenen Zehennagel in den Uni-Notfall, weil wir die Eigenverantwortung an eine Versicherungspolice delegiert haben. Derweil sitzen unsere First Aid Stufe 3, die dazu befähigt wären, daneben und schwitzen vor lauter Haftungsängsten – weil unsere First Responder vor Ort durch starre Protokolle kastriert werden. Wozu haben wir sie eigentlich, wenn sie nichts dürfen?

​Ja, in der Schweiz steht der qualifizierte Ersthelfer oft daneben und darf lediglich „überwachen“, während er auf den spezialisierten Notarzt wartet, weil die Checkliste es so diktiert. Das ist Vollkasko-Lähmung zum Preis eines Kleinwagens – pro Jahr, versteht sich.

​Wie gut täte uns hier die DNA eines Barangay Health Centers. Ein menschlicher Filter. Da sitzt die Barangay Health Workerin, die keine Angst vor der Hierarchie hat, sondern das Problem einfach löst. Qualität entsteht dort durch Kalinga – radikale Fürsorge – und eine Triage, die auf Vertrauen in die eigene Kompetenz basiert, statt auf der Angst vor dem Staatsanwalt.

​#wyssion 2026: In jedem Schweizer Quartier entsteht ein Primary Health Point. Wir geben unseren First Aid – vom Polizisten bis zur Pflegefachkraft – die philippinische Handlungsvollmacht. Wir befreien unsere Fachleute von der Protokoll-Starre. Wer vor Ort ist, entscheidet und handelt. Weg von der Delegations-Kultur, hin zum Vertrauen. Mabuhay – ein Willkommen an die Eigenverantwortung.

​Der 70 %-Effekt: Daten der WHO und OECD sowie der schweizerischen Obsan belegen, dass ein starkes Primärsystem sieben von zehn Fällen abfängt, bevor sie das teure Spitalsystem überhaupt berühren. Das senkt vielleicht nicht sofort die Krankenkassenprämien im zweistelligen Prozentbereich, aber es verhindert massiv die Kosten für Langzeitfolgen. Es geht darum, die Chronifizierung und den Absturz in die Invalidität zu verhindern. Tauschen wir die Apparate-Gläubigkeit gegen Handlungs-Resilienz ein. Lassen wir die First Aid richtig anpacken, statt sie nur den Tatort absperren zu lassen – damit aus einer Schnittwunde kein IV-Fall wird.

​2 Altersvorsorge (AHV) & Pensionskasse: Relevanz statt Rentenzwang

​In der Schweiz schieben wir die Ü55 aufs Abstellgleis, während wir gleichzeitig über Fachkräftemangel jammern. Mit 55 gilt man auf dem Arbeitsmarkt oft als „Oldtimer“ mit zu hohen Betriebskosten. Wir werfen den Motor weg, weil wir Angst vor dem Ölwechsel haben.

​Die philippinische DNA kennt diesen künstlichen Abbruch nicht. Der Lolo (Opa) bleibt aktiv, weil seine Rolle organisch wächst. Er ist Mentor und Anker. Seine Resilienz kommt aus der Relevanz: Er wird gebraucht, und genau das hält ihn lebendig. In der Schweiz hingegen behandeln wir Erfahrung wie Sondermüll, den man möglichst teuer entsorgen muss.

​#wyssion 2026: Radikale Deregulierung und die „Lolo-Option“

Wir lösen das Problem nicht durch neue Gesetze, sondern durch das philippinische Prinzip: Lasst die Leute machen. Relevanz ist kein Almosen, sondern eine ökonomische Notwendigkeit. Und verlängert erwiesenermassen das Leben.

​Die PK-Falle als Alters-Strafsteuer: Die PK-Beiträge sind heute der Mühlstein am Hals der Ü55. Wer mit 18 % Lohnnebenkosten ins Rennen geht, hat verloren, bevor das Bewerbungsgespräch überhaupt begonnen hat. Wir führen die Wahlfreiheit ein: Ab 55 kann ein Arbeitnehmer entscheiden, die PK-Beiträge einzufrieren. Er wird für die Firma kostenneutral gegenüber einem 30-Jährigen. Das Kapital verzinst sich weiter, aber der laufende Betrieb wird nicht mehr durch diese Abgabe gelähmt.

​Expertise als Fehler-Versicherung: Der Rentner ersetzt nicht den Maurer, er berät den Polier. Er wird nicht bezahlt, um einen Job wegzunehmen, sondern um Millionen-Fehler zu verhindern, die der Junior im Protokoll-Wahn übersieht. Der Markt bezahlt den Lolo-Coach freiwillig für sein Wissen – als günstigste Versicherung gegen Inkompetenz.

​Steuerfreies Weitermachen: Wer über 55 oder nach 65 arbeitet, zahlt auf dieses Einkommen keine Sozialabgaben und keine direkten Bundessteuern mehr. Ein reiner Bonus für Erfahrung.

​Ich kenne Stimmen, die werden jetzt über „Ausbeutung“ zetern. Ich sage als unfreiwillig Frühpensionierter: Was ist ausbeuterischer – jemandem die Würde der Arbeit und die Relevanz zu lassen oder ihn durch staatliche Kosten-Barrieren in die Bedeutungslosigkeit zu zwingen? Arbeit ist die beste Altersvorsorge, nicht das sture Sparen auf Kosten der Anstellung. Die philippinische Logik siegt über die Schweizer Spar-Angst: Lieber ein Lohn ohne PK-Abzug als eine PK ohne Lohn. Wir retten die AHV, indem wir die Lust am Weitermachen von der bürokratischen Last befreien.

3 ​Umwelt & Klima: „Diskarte“ statt Einsprache-Hölle

​In der Schweiz stirbt die Energiewende nicht am Geld, sondern an der Perfektion. Wir haben versucht, den Planeten mit Subventionen zu bestechen, aber wir haben nur ein Monster aus Formularen und Beratern gefüttert. Während die Gletscher schmelzen, führen wir Religionskriege über die Farbe von Solarpanels auf geschützten Scheunen. Ein Windrad braucht in der Schweiz länger zur Geburt als ein Elefant – zwei Jahrzehnte Vorlaufzeit sind die Norm. Wir ersticken an einer Rechtsweg-Garantie, die das „Nein“ zum Geschäftsmodell für jedermann gemacht hat.

​Die philippinische DNA antwortet mit „Diskarte“ – der schlitzohrigen Kunst, das System zu umgehen, um zu überleben. Hier fragt niemand, ob das Panel zum Ortsbild passt. Mein Vermieter hat seine Anlage in drei Wochen hochgezogen. Er speist nichts ein, weil er keine Lust auf den bürokratischen Zähler-Wahnsinn hat. Das Netz ist für ihn nur noch die Backup-Tankstelle für den Notfall. Er ist autark, wenn der Taifun kommt. Er zahlt keine Solidaritäts-Strafsteuer für ein Netz, das er gar nicht mehr belastet.

​#wyssion 2026: Die Entfesselung der Macher

Wir beenden den Stillstand nicht durch neue Fördergelder, sondern durch die radikale Abkürzung. Die Motivation für den Schweizer ist nicht das Klima-Geweine, sondern die pure Wut auf die Lähmung. Er baut, wenn er weiss, dass er kein Architektenheer und keine Bewilligungs-Folter über sich ergehen lassen muss.

Vom Bittsteller zum Ansager: Wer eine Solaranlage oder Wärmepumpe baut, meldet das – und fängt an. Punkt. Die Ästhetik-Polizei und der Heimatschutz haben Sendepause, sobald Energie produziert wird. Wir ersetzen das „Ja, aber“ durch ein „Es ist vollbracht“.

​Überprüfung der Bedenkenträger: Wir regeln das Recht auf subjektive Einsprachen. Wer kein technisches Gegenargument hat, hat kein Stimmrecht. Wer handelt, hat Vorrang vor dem, der nur verhindert. Wir machen das Machen wieder zur nationalen Tugend.

​Freipass für Insel-Löser: Wer autark ist (Zero-Export), wird von allen Netznutzungsgebühren befreit. Eigenverantwortung darf nicht länger die Melkkuh für ein marodes System sein. Wer das Netz entlastet, wird belohnt, statt mit Solidaritätsabgaben bestraft.

​In der Krise gilt: Erlaubt ist, was funktioniert. Wir werden nicht klimaresilient durch mehr Sitzungen, sondern indem wir die Fesseln der Bürokratie sprengen. Wer baut, hat recht. Wer nur verzögert, ohne Grund, soll verlieren.

Bin ich mit diesem Text noch Beobachter – oder habe ich mich schon für die Improvisation entschieden, weil sie das Leben angenehmer macht und die Perfektion der Schweiz zur Sackgasse wurde?

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