Der kleine Prinz –  Antoine de Saint-Exupéry

Ich sitze vor meinem Bungalow, der Ventilator röhrt wie ein überforderter Jeepney, und lese diese Schlagzeile über einen Schweizer Unternehmer, der mit Sexspielzeug reich wurde und jetzt mit einem Curling-Team kurz vor Olympia steht. Einem Curling-Team aus lauter Filipinos. Also Schweizern mit philippinischen Müttern. Eigentlich Doppelbürger. Nein, waren sie vorher nicht einmal. Oder doch. Es ist kompliziert. Filipinos an der Winterolympiade. Gabs noch nie.

Vor mir: ein lauwarmes Red Horse. An mir: ein durchnässtes Hemd. In der Nähe: ein Hahn, der seit Sonnenaufgang glaubt, er sei ein Notfallhorn.

Ich sehe vor meinen Augen das Bild dieses Jungen mit dem Basketball – und mir fällt ein, was ich neulich aufgeschrieben habe:

Auf dem Schulhof warf ein Junge seinen Basketball so hoch, als wolle er die Wolken durchbohren.

Ich: Warum wirfst du so hoch?

Junge: Damit Kobe Bryant mich sieht.

Ich: Und wenn er gerade Curling schaut?

Junge: Curling? Das ist doch für reiche Onkels.

Ich: Ein paar Filipino-Schweizer Onkels stehen damit kurz vor Olympia.

Junge: Mit Steinen?

Ich: Ja. Mit Steinen auf Eis.

Junge: Dann komme ich mit meinem Ball sicher weiter.

Ich: Also – wohin willst du ihn als Nächstes werfen?

Er schaut lange auf den Ball. Dann sagt er:

„So weit, dass ich glaube, Kobe zu sein – oder so weit, dass ich jemanden finde, der mich versteht, wie der Kleine Prinz seinen Planeten suchte.“

Natürlich ist diese Geschichte erstunken und erlogen. Wieso sollte ich mit einem philippinischen Jungen über Curling reden? Ich entschuldige mich dafür – ich erzähle ja sonst nur wahre Begebenheiten.

Wobei… vielleicht stimmt sie doch. Nicht im Wortlaut, aber im Herzen.

Denn irgendwo zwischen einem Jungen mit einem kaputten Ball und einem Millionär mit polierten Steinen steckt dieselbe Sehnsucht: einmal etwas so weit zu bewegen, dass jemand hinschaut, der sonst nie hinsieht.

Vielleicht ist gar nicht entscheidend, was man wirft, sondern nur, wie weit die Reise geht.

Und frage ich mich noch, ob ich selbst an meine eigene Reise glaube?

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